Tipps und Tricks aus der Praxis.

Unsere Erfahrungen mit Online-Lehre

Die Infrastruktur steht; doch ist es bei der Umstellung von Präsenzlehre auf E-Learning nicht mit der technischen Umsetzung der Lernumgebung getan. Auch die Art und Weise, wie man unterrichten kann, und die Hilfsmittel, die einem dabei zur Verfügung stehen, unterscheiden sich. Im folgenden teilen wir unsere Erfahrungen, die wir bisher bei der praktischen Umsetzung von E-Learning gemacht haben.

Kennenlernen der E-Learning-Infrastruktur

für Lehrende

Die Nutzung der E-Learning-Anwendung ist vermutlich sowohl für Dich als auch für die Lernenden neu. Bevor Du diese das erste Mal in Lehre oder Unterricht einsetzt, mache einen kurzen Testlauf mit KollegInnen oder einer kleinen Gruppe von Studierenden oder SchülerInnen, um sicherzugehen, dass später während der eigentlichen Veranstaltung(en) möglichst wenig technische Probleme auftreten (bspw. durch eine Firewall, die Nutzung verschiedener Webbrowser, Webcam und Mikrofon etc.). Probiere in diesem Testlauf am besten alle möglichen Szenarien aus, die Dir einfallen. Ist es zum Beispiel problemlos möglich, dass Lernende während der Veranstaltung hinzustoßen? Oder was passiert, wenn die Internetverbindung kurzzeitig ausfällt?
Zusätzlich schadet es sicher auch nicht, Hilfe mit sämtlicher anderer Infrastruktur anzubieten, auf die Teilnehmende in Verbindung mit der Veranstaltung aufgrund der derzeitigen Situation angewiesen sind. Manche Studierenden haben vielleicht beispielsweise noch nie einen wissenschaftlichen Artikel außerhalb des Uni-Netzwerks heruntergeladen. Wichtig ist auch, einen offenen Raum für die Lernbedingungen und anderen Umstände der Lernenden zu schaffen. Vielleicht haben nicht alle Zugang zu einem eigenen Computer oder eine ausreichend schnelle Internetverbindung zu Hause. Überlege, wie Du in diesen Fällen unterstützend wirken kannst, beispielsweise durch ein Aufzeichnen und Hochladen der Sitzungen als Ergänzung zur synchronen Online-Lehre.

und Lernende

Wenn es zeitlich möglich ist, schadet es sicher nicht, vor der ersten inhaltlichen Sitzung eine Testsitzung mit allen Teilnehmenden zu machen, damit sich alle mit den gewählten Online-Lehr-Tools vertraut machen können. Ansonsten sollte zu Beginn der ersten regulären Sitzung etwas Zeit dafür eingeplant werden (unser Erfahrungswert liegt bei ca. 10 Minuten). Obwohl die meisten Funktionen der Anwendungen relativ intuitiv sind, ist für die Teilnehmenden eventuell nicht direkt klar, wie Du diese in der Online-Lehre einsetzen möchtest. Zeige ihnen daher einfach am Anfang wie sie die Chatfunktion nutzen, ihr Mikrofon einschalten oder ihren Bildschirm teilen können – und gib ihnen Zeit, alles auszuprobieren. Falls es möglich ist, dann schalte Dich der Testsitzung zu Demonstrationszwecken doch über einen zweiten Benutzer im Teilnehmermodus zu, da sich die Ansicht für ModeratorInnen und Teilnehmende oft unterscheidet und so keine Verwirrung enstehen kann. Vielleicht hast Du ja sogar Zeit, ein kurzes Dokument (ggf. mit Screenshots) aufzusetzen, mit dem Deine KursteilnehmerInnen sich schon vor der ersten Sitzung mit der Anwendung vertraut machen können.

Ein möglichst reibungsloser Ablauf der Sitzungen

Stumm schalten

Schalte die Mikrofone aller Teilnehmenden von Beginn der Veranstaltung an auf stumm, um Störungen durch ständige Hintergrundgeräusche zu vermeiden. Teilnehmende können über ein virtuelles Handheben oder den Chat signalisieren, dass sie gerne etwas sagen würden und dann auf Aufforderung ihr Mikrofon einschalten – genauso wie sie auch in der Präsenzlehre dran genommen werden würden. Danach sollte das Mikrofon wieder ausgeschaltet werden.

Ton und Bild

Im Gegensatz zur Übertragung der Stimme, ist die Videoübertragung nicht essentiell, kann aber helfen, die Distanz zwischen Lehrenden und Lernenden in der Online-Lehre zu verringern. Wenn begrenzte Ressourcen dazu führen, dass die Audioqualität leidet, dann lieber das Video ausschalten. Auch die Lernenden brauchen ihr Video normalerweise nicht zu übertragen (was für viele eventuell sowieso unangenehm ist), insofern sie als reguläre Teilnehmende an der Veranstaltung teilnehmen. Eine Videoübertragung einzelner TeilnehmerInnen macht gegebenenfalls dann Sinn, wenn diese etwas vorstellen oder geplante längere Redebeiträge vortragen.
Das Nutzen von Kopfhörern oder einem Headset vermeidet Rückkopplungen. Das Mikrofon sollte sich am besten auf der Höhe des Kopfes befinden, da die Teilnehmenden ansonsten zum Beispiel vor allem das Tippen hören.

Benachrichtigungen

Genauso wie man normalerweise Benachrichtigungen an Computer and Handy ausschaltet bevor man in Präsenzlehre oder -unterricht geht, sollte man das auch während der Online-Lehre handhaben. Und lege doch den TeilnehmerInnen dasselbe nahe.

Anweisungen

Klare Anweisungen und Hilfestellungen sind in jeder Lehrform wichtig; in der Präsenzlehre merkt man allerdings durch die unmittelbare Interaktion viel schneller, wenn doch mal eine Aufgabenstellung nicht ganz klar war. Leite die TeilnehmerInnen durch möglichst genaue Anweisungen an, z.B. “schreibt eure Lösung in den Chat, wenn ihr mit der Aufgabe fertig seid” statt “gebt mir Bescheid, wenn ihr mit der Aufgabe fertig seid”.

Interaktivität fördern

Falls die Anwendung die Möglichkeit bietet, sind sogenannte Breakout Rooms, die es ermöglichen die Teilnehmenden in mehrere separate Gesprächsgruppen einzuteilen, eine großartige Möglichkeit, um Interaktivität und Gruppenarbeit zu fördern.
Kurze Abstimmungen direkt in der Online-Lehr-Anwendung helfen dabei, dass Teilnehmende aufmerksam bleiben und mitdenken (z.B. “Was erwartet ihr, wenn wir den folgenden Code ausführen?"). Abstimmungen aus mehreren Fragen, die in einem anderen Tool außerhalb der Anwendung angelegt werden und im Verlauf derselben oder der nächsten Sitzung besprochen werden, eignen sich vor allem zur Einbindung größerer Kursgruppen gut.